July 24, 2008

Interview mit Christian Sauerteig

Marketing Director TGC - The Games Company

Interview mit Christian Sauerteig

Christian Sauerteig ist Marketing Director bei TGC und verantwortet sämtliche Marketingaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen des Publishers TGC. TGC – The Games Company ist ein international agierender Publisher von Computer- und Videospielen mit Sitz in Berlin. TGC verfügt mit Silver Style Entertainment über ein internes Entwicklungsstudio, das zu den renommiertesten in Deutschland zählt. Außerdem besitzt TGC ein dichtes Netzwerk externer Studios, die von qualitativ hochwertigen Full-Price-Games bis hin zu Auftragsproduktionen jegliche Art von interaktiver Unterhaltungssoftware realisieren. Seit der Gründung im Januar 2006 veröffentlicht TGC – The Games Company Lizenzprodukte sowie Auftragsproduktionen und Eigenentwicklungen, hauptsächlich im Full-Price-Segment. Ein engagiertes Team mit langjähriger Branchenerfahrung sowie ein starkes Partnernetzwerk zeichnen TGC aus.

1. Welche Faktoren machen Berlin und Brandenburg aus Ihrer Sicht zu einem besonders guten Standort für Games und Web 2.0 Projekte?

Berlin ist eine unglaublich kreative, pulsierende und vor allem lebendige Stadt, die ideal zur Games-Branche passt. Die hervorragende Infrastruktur verleiht dem Standort zudem eine sehr hohe Attraktivität. Auf der einen Seite denke ich hier an wichtige Institutionen wie die Games Academy, die USK, den BIU oder den G.A.M.E. Auf der anderen Seite ist die Nähe zu den Filmstudios Babelsberg und den Hauptstadtstudios der TV-Sender von unschätzbarem Vorteil. Ganz zu schweigen von den zahlreichen kreativen Köpfen, die sich in der Stadt angesiedelt haben und von ihr angezogen werden.

2. Welche Impulse kann die Politik/ Verwaltung für die Branche in dieser Region geben bzw. welche Impulse wünschen Sie sich?

Berlin hinkt in der Wahrnehmung als Kompetenzzentrum für Games anderen Städten wie Hamburg leider noch deutlich hinterher. Für junge Unternehmen sind unbürokratische Förderprogramme essentiell. Hier liegt es an der Politik, den Newcomern entsprechende Anreize zu bieten, sich in Berlin niederzulassen und die bereits etablierten Unternehmen weiter bei deren Expansionsplänen zu unterstützen. Auch würde ich mir wünschen, dass sich die Politik mit in der Region ansässigen Firmen berät, wie man gemeinsam den Standort stärken kann. In diesem Punkt besteht im Vergleich zu anderen Städten noch dringender Handlungsbedarf.

3. Als Initiator des Berliner Xing-Netzwerks „Berlin Gaming“. Wie kamen Sie auf die Idee ein solches Netzwerk aufzubauen? Was sind Ihre Ziele?

Wir haben „Berlin Gaming“ ins Leben gerufen, um die Entscheider der Berlin-Brandenburger Games-Szene zusammenzubringen und über gemeinsame Lösungsansätze zu diskutieren. Auf Dauer möchten wir mit „Berlin Gaming“ das „Wir-Gefühl“ in der lokalen Games-Szene stärken. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, sind wir in der Lage, den Rückstand gegenüber anderen Regionen aufzuholen.

4. Ist das Netzwerk nur für Berlin und Brandenburger Unternehmen oder steht es jedem offen?

„Berlin Gaming“ richtet sich primär an Unternehmen und in der Gamesbranche tätige Personen aus der Region. Uns ist wichtig, dass die Mitglieder vor Ort präsent sind und an den regelmäßigen Veranstaltungen teilnehmen können. Wir wollen nicht die Mitgliederzahl „zwanghaft“ nach oben treiben, indem wir bundesweit Personen einladen, die sich wahrscheinlich niemals aktiv in der Gruppe einbringen werden. Letztenendes ist also der Bezug zur Region und zur Spielebranche für die Aufnahme ausschlaggebend.

5. Erzählen Sie uns ein wenig über ihre aktuellen Projekte.

Wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen für die Games Convention wo wir unser Line-up für die nächsten Monate präsentieren werden. Wir haben mehrere heiße Eisen im Feuer, die wir erst zur Messe ankündigen werden, deshalb kann ich aktuell noch nicht alles verraten. In den Startlöchern stehen auf jeden Fall fünf Spiele für den Nintendo DS, die Ende August erscheinen. Im Oktober veröffentlichen wir das offizielle Adventure zum Blockbuster DWK5 – Hinter dem Horizont. Ein großartiges Adventure für PC und DS. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft schafft es unser Eishockeymanager 2009 in die Läden, bei dem man seinen Lieblingsverein coacht. Wie gesagt, das ist nur ein kleiner Auszug aus unserem Line-up, weitere Enthüllungen gibt es dann zur GC. Aktuell steht von uns im Laden die offizielle DVDi zur dritten Staffel von Germany’s Next Topmodel, das von der Fachpresse sehr gelobte Sci-Fi-Adventure Goin‘ Downtown sowie der realistische DSF – Basketballmanager 2008.

6. Welche Ziele verfolgen Sie für ihr Unternehmen in der nächsten Zeit?

Wir haben uns ehrgeizige Ziele für die Zukunft gesteckt. So planen wir pro Jahr etwa 15 AAA-Titel zu veröffentlichen und unser internes Studio Silver Style Entertainment zu einem großen Multiplattform-Entwickler auf- und auszubauen. Diese ambitionierten Vorgaben gehen einher mit umfangreichen Expansionsplänen. Bis Jahresende wollen wir unseren Mitarbeiterstamm verdoppeln. Darüber hinaus rückt die stärkere Internationalisierung TGCs immer weiter in den Vordergrund und wir sind dabei, neuartige Finanzierungsmodelle für unsere Projekte zu entwerfen.

7. Sind Sie selber ein Gamer? Was sind ihre All-Time-Favorites?

Ich bin seit meiner Kindheit leidenschaftlicher Gamer. Nicht umsonst habe ich knapp 10 Jahre als Redakteur bei den Magazinen PC Games und PC Action gearbeitet. Meine All-Time-Favorites sind Mad-TV, die Pro Evolution Soccer-Serie, die Football Manager-Reihe sowie die Need for Speed-Serie.

8. Wohin wird sich ihrer Meinung nach der Markt entwickeln? Wo sehen Sie die Trends?

Die Zukunft gehört ganz klar den Multiplattform-Entwicklungen. Ich denke aber nicht, dass der PC massiv an Wert bei den Gamern verliert. Die Spiel-Gewohnheiten und Möglichkeiten haben sich allerdings verändert, neue Zielgruppen müssen angesprochen werden. Aktuell öffnet sich der Markt für eine Vielzahl neuer Gamer, Casual Games ist nur ein Marktsegment von vielen, das in der Zukunft eine immer größere Bedeutung gewinnen wird. Die Nachfrage nach diesen Spielen und vor allem den Massive Multiplayer Online Games ist stark, wird stärker werden und betrifft natürlich den PC-Markt. Nach wie vor bleiben speziell Adventure- und Strategie-Spiele als PC-Thema der nächsten Jahre bestehen, so etwas funktioniert auf Konsolen nachweislich nur eingeschränkt. Fans von speziellen Action- oder auch Sport-Titeln werden sich hingegen zukünftig stärker als zuvor in Richtung Konsole orientieren, hier wird der PC um seine Marktanteile definitiv kämpfen müssen.

9. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ganz klar eine höhere Akzeptanz von Computer- und Videospielen bei Politik, Medien und Gesellschaft. Obwohl Videospielentwicklungen längst teilweise aufwändiger und kostspieliger als Filmproduktionen geworden sind, werden diese hierzulande kaum als Kulturgut angesehen. Weiterhin hoffe ich, dass der neuen Gamescom in Köln ein ähnlicher Erfolg zuteil wird wie der Leipziger Games Convention und Deutschland dadurch im internationalen Vergleich noch stärker in den Fokus der Gaming-Branche rückt.

Mehr Informationen zu TGC- The Games Company: Special #03.08, Homepage