Games & Interactive

March 19, 2009

Interview mit Tobias Neisecke

Geschäftsführer und Gründer YOUin3D.com GmbH

Interview mit Tobias Neisecke

Die YOUin3D.com GmbH widmet sich ganz dem Trend des 3D Internets und deckt alle damit verbundenen Marktsegmente ab. Sei es Beratung, Konzeption, Umsetzung, Hosting oder Pflege von Projekten.
Bekannt geworden ist YOUin3D durch das „Prestige-Objekt“ newBERLIN, einem maßstabsgetreuen Nachbau Berlins in Second Life. YOUin3D betreibt aber ebenso die Educational Plattform CAMPUSin3D in Second Life. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Machinima Produktionen. Machinima ist ein Kunstwort welches sich aus Machine-Animation-Cinema zusammensetzt. Es bezeichnet Filme, die mit Hilfe von Game Engines in Computerspielen oder virtuellen Welten, also „Inworld“ gefilmt werden.
Herr Neisecke selber ist einer der Geschäftsführer und Gründer von YOUin3D.com GmbH, seit Dezember 2006 befassen sich er und sein Partner Jan Northoff „fulltime“ mit 3D Internet und Virtuellen Welten. Eigentlich hat Herr Neisecke Medizin studiert und tritt deshalb auch immer wieder auf Veranstaltungen im Bereich „Medizin 2.0“ auf, z.B. auf der „re:health 09“ am 2. April, die dieses Jahr erstmalig als neuer Themenschwerpunkt das Programm der „re:publica 09“ ergänzt.

1. Wie wir gelesen haben, veranstalten Sie Ende Mai das „BIZZin3D – Meet Up“. Erzählen Sie uns ein wenig darüber.

Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich für das Thema 3D Internet interessieren. Das „BIZZ“ im Namen zeigt schon, dass es sich vornehmlich um Businessmodelle handeln wird. Es wird allerdings keine Verkaufs- sondern eine Informationsveranstaltung werden. Man hat hier die Möglichkeit, sich einen fundierten Überblick zum „Status quo“ und dem „wohin die Reise geht“ zu verschaffen. Es wird nach Themen geordnete Diskussionsrunden geben mit Zeit dazwischen, um sich untereinander auszutauschen. Durch Gelegenheit zum Networking soll sich auch die Szene untereinander besser kennen lernen und neue (Geschäfts-)Kontakte geknüpft werden können. Zahlreiche Branchengrößen haben bereits Ihre Teilnahme bestätigt.
Die Webseite www.BIZZin3D.com gibt weitere Informationen. Spätestens Ende März wird dort das endgültige Programm veröffentlicht und die Online-Registrierung frei geschaltet. Der Termin des Events ist der 31.Mai 2009, als Pfingstsonntag.

2. Wir werden auf der Veranstaltung keine Vorträge in Powerpoint sehen, warum haben Sie sich gegen diese Art der Präsentation entschieden?

Ich habe zu viele Veranstaltungen erlebt, wo jemand vorne am Pult steht und in einer Hochglanzpräsentation sein Produkt präsentiert. Meist handelt es sich dabei um Informationen, die man auch auf der Webseite des entsprechenden Unternehmens hätte nachlesen können. Das ist für den Zuhörer nicht immer sonderlich spannend.
Daher setzen wir auf moderierte Diskussionsrunden, eine Art Profi-Talk, von dem wir uns einen tieferen Einblick hinter die Kulissen versprechen und vielleicht auch etwas mehr aus dem „Nähkästchen“ geplaudert wird. Somit ist die Veranstaltung auch gerade für „Insider“ ein Muss.

3. Warum haben Sie sich für Berlin als Veranstaltungsort entschieden?

In Berlin ist eine sehr hohe Konzentration an Unternehmen und Agenturen, die sich mit dem Thema 3D Internet, Virtuelle Welten und Games auseinander setzen. Das zeigt sich ja auch schon, wenn man sich auf dem „Interactive City Berlin“ Portal umschaut.
Und Teilnehmer von weiter weg können die Veranstaltung mit einem Kurztrip kombinieren, Berlin ist ja schließlich immer eine Reise wert.
Zudem findet vom 29.5.-31.05. auch das Second Life Community Meeting (www.sl-treffen.de ) in Berlin statt. Hier wird der eine oder andere User sicher nach dem geselligen Beisammensein mit der Community auch die Gelegenheit nutzen, sich über die „Macher“ hinter den Welten zu informieren.

4. Sie bilden Berlin virtuell in Second Life ab. Stehen Sie dabei in Konkurrenz zu anderen 3D-Onlinewelten wie z.B. Twinity?

Das werden wir oft gefragt. Auf den ersten Blick mag das so erscheinen, die Praxis sieht anders aus. Ich vergleiche das gerne mit Facebook und Myspace: der User kennt eh beide Plattformen und sucht sich jene aus, die ihm mehr liegt. Es gibt auch ebensowichtig nicht „die bessere Plattform“, sondern das hängt davon ab, was der Einzelne sucht. Und zudem gibt es natürlich auch einen „harten Kern“, der sich je nach Laune mal hier und da aufhält. Es gibt auch Verknüpfungspunkte: zum Beispiel einen (von Usern ins Leben gerufenen) Club, der in beiden Welten zu finden ist: das „Ringelpitz“.
YOUin3D.com ist ein Unternehmen, dass auf das gesamte 3D Internet fokussiert und nicht nur an Second Life „klebt“. So sind wir auch „Twinity Developer Partner“, d.h., wir sind autorisiert, Content für Twinity zu erschaffen. Wir können unseren Kunden nun also die Virtuelle Welt anbieten, die besser zu ihm „passt“. Oder man integriert den Kunden „in einem Abwasch“ in mehrere Welten und bietet ihm so einen Mehrwert durch eine vergrößerte Reichweite.

Wir freuen uns auch, dass Twinity sofort seine Teilnahme am „BIZZin3D Meet Up“ bestätigt hat. Wir checken gerade die Möglichkeit ab, die Veranstaltung gleichzeitig nach Twinity und Second Life zu übertragen. Nach unserem Wissen konnte noch nie eine reale Veranstaltung in mehreren Virtuellen Welten gleichzeitig mitverfolgt werden. Wäre also eine echte Premiere!

5. Wie sehen Sie persönlich die Zukunft von 3D-Onlinewelten im Internet? Welche Möglichkeiten werden sich daraus zukünftig ergeben?

Was die Wenigsten wissen: von den etwa 350 Mio. Accounts für Onlinewelten fallen mehr als 2/3 auf Kinder & Jugendwelten. So hat zum Beispiel „Barbieworld“ längst mehr User als beispielsweise Second Life. D.h., hier wächst eine Generation heran, für die ein Avatar so selbstverständlich ist wie eine Email-Adresse. Diese Generation wird auch in Zukunft virtuelle Welten nachfragen, in welcher Form auch immer. So, wie man sich als Teenie ein z.B. Myspace Account zugelegt hat um mit seinen Freunden zu kommunizieren und seine Lieblingsbands zu „adden“, wird man sich später, wenn man im Berufsleben steht, z.B. ein Xing Account einrichten und Geschäftskontakte pflegen.
Was 3D-Onlinewelten betrifft, zeigt sich aktuell also erst die Spitze des Eisberges. Man darf allerdings nicht außer acht lassen, dass jedes Medium seine Zeit braucht, bis es durch die Gesellschaft diffundiert ist. Auch das Internet hat lange gebraucht, sich zu manifestieren.
Schon jetzt zu beobachten ist, dass es neben den reinen „Spasswelten“, die auf Chat, Flirt, Spiel und „gemeinsames Abhängen“ ausgelegt sind, zunehmend seriöse Anwendungen für Simulation, Training, eLearning, Businessmeetings, Shopping etc. etabliert werden. Zusätzlich gibt es natürlich auch, na, sagen wir mal „Special Interest“-Welten für Cybersex oder 3D Poker. Also alles, was es im klassischen Internet gibt, findet auch Einzug in Virtuelle Welten. Das 3D Internet wird sozusagen „erwachsen“.

6. Werden die 3D-Welten auch bald direkt im Browserdargestellt werden können, ohne dass man sich vorher einen Client runterladen muss?

Vorweg gesagt: um am Internet teilzunehmen, benötigt man ebenso einen Clienten, nämlich die Browsersoftware. Der Client einer Virtuellen Welt ist technisch gesehen nichts weiter als ein 3D-Browser. Und auch um eine Email schreiben zu können, muss ich mir ein Account einrichten. Das ist aber so selbstverständlich geworden, dass es oft übersehen wird.
Trotzdem ist es natürlich hinderlich für das Wachstum der Branche, dass zum betreten einer Virtuellen Welt bis auf wenige Ausnahmen eine Software installiert werden muss. Hier profitieren Welten, die z.B. Flash- oder Java-basiert arbeiten. Eigentlich ja auch eine Software, die irgendwann mal installiert werden musste, aber eben auch für andere Anwendungen benutzt werden.
Leider gibt es keinen „Standard 3D Browser“. Sämtliche Clienten von bestehenden Onlinewelten in z.B. Internet Explorer oder Firefox zu integrieren, wäre technisch nicht umsetzbar. Ideal wären meines Erachtens, wenn man sich in seinen Webbrowser „Plug ins“ für die von einem genutzten Virtuellen Welten installieren könnte. Ich denke, wenn die Nachfrage danach steigt, werden die technischen Hürden überwunden und so etwas umgesetzt.

7. An welchem Projekt neben der „BIZZin3D – Meet up“ arbeiten Sie gerade?

Wir haben 2 interessante Projekte in der Pipeline, wobei ich aus Diskretion dem Kunden gegenüber leider nichts dazu schreiben kann.
Ansonsten schnüren wir seit Längerem an der Umsetzung einer großen Machinima-Produktion.
Also immer was los bei uns…

8. Welche Entwicklungen im Bereich der IT wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mehr Bandbreite! Glasfaser für alle ;-)
Insgesamt begrüßen wir die Entwicklung, dass immer mehr online von statten geht. Wie lange dauert es noch, bis es in Berlin ein flächendeckendes, freies WLan gibt? Oder ein Online-Betriebssystem? Natürlich spielen da wieder Datensicherheitsfragen mit rein, aber es ist ein Irrglauben, dass Daten sicher sind, nur weil ich sie auf meiner Festplatte habe.

9. Möchten Sie unsere Leser noch etwas mitteilen?

Gerne! Ich möchte jeden ermuntern, sich mal in 3D-Onlinewelten umzuschauen!
Für Second Life kann man sich bequem über unsere Webseite anmelden und landet dann auch gleich in newBERLIN:
Berlinin3D.com/slaccount

Frei nach dem Motto „support your locals“ hier 3 weitere Welten, die alle von Unternehmen aus Berlin betrieben werden:
www.twinity.com
www.smeet.de
www.bailamo.de

Und ich freue mich natürlich über viele Besucher zum „BIZZin3D Meet Up“ !!

Weitere Informationen zu www.BIZZin3D.com und YOUin3D

Das Interview wurde von Carsten Kohlenbeck geführt.